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Medeas Liebe und georgisches Gold - Liebieg-Haus Frankfurt

Verantwortlicher Autor: Michael Scheuermann Frankfurt am Main , 23.01.2020, 16:08 Uhr
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Frankfurt am Main [ENA] Kassandra, Penthesilea und Medea – Kulturfans kommen an den Heroinnen der griechischen Mythen kaum vorbei. Ob Musik, Theater oder Literatur – sie sind zu Leitfiguren emanzipierter Weiblichkeit geworden. Ungeachtet dessen hat es das Frankfurter „Skulpturen-Museum Liebieghaus“ gewagt, Medea zum Zugpferd einer Ausstellung georgischen Schmuckes zu machen - und ist damit gescheitert.

Medea war schon in der Erzählung des Euripides einfach zu polyglott, um sich an den heimatlichen Boden Kolchis zu binden – und daran hat sich bis heute nichts geändert. Den Organisatoren der Schau ist das Risiko der Marketing-Instrumentalisierung von Medea natürlich nicht verborgen geblieben. Und so hat man sich nicht lumpen lassen und originale griechische und römische Skulpturen, Vasen, Bilder sowie Wandmalereien aus den Vesuv-Städten Pompeji und Stabiae ins Haus zu bringen, die das Abenteuer von den Argonauten und die Liebe von Jason und Medea illustrieren – allesamt bedeutende Leihgaben

aus dem British Museum in London, dem Museo Archeologico Nazionale in Neapel, dem Louvre in Paris oder den Vatikanischen Museen. Sie lassen die Geschehnisse von der gefährlichen Schiffsexpedition des griechischen Prinzen Jason und der Argonauten über den Raub des Goldenen Vlieses bis zu den mörderischen Taten der Liebenden anschaulich werden, erreichen aber in ihrer Wirkung den Schauraum des (prachtvollen) georgischen Goldschmucks nicht, sondern sorgen auch mit der lieblos-nüchternen Beschilderung der Exponate zum Abbruch des Mythos. Als Erzählungsfortsetzung zwischen Vasen und Schmuck hätten sich Filmsequenzen über Inszenierungen angeboten, soweit allerdings wollte man nicht gehen – und nahm die Enttäuschung der Betrachter in Kauf.

Wie man mit Medea umgehen muss, wieviel Raum der Mythos beansprucht und dass er nicht vordergründig in Dienst genommen werden kann, zeigt die Ausstellung „Medea muckt auf. Radikale Künstlerinnen hinter dem Eisernen Vorhang“ in der Kunsthalle im Lipsiusbau in Dresden (bis 31.3.2019). Die Schau gibt dem Mythos Raum und setzt ihn strikt zeitgenössisch in Szene - in den Werken von 36 Künstlerinnen und Künstlerinnengruppen – alle aus sozialistischen Ländern und vor 1989. Die Schau „Medeas Liebe“ ist im Frankfurter Liebieghaus bis 10.02.2019 zu sehen, die Schau "Medea muckt auf" im Lipsiusbau in Dresden bis 31.3.2019.

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